Schostakowitsch in Gohrisch

Dmitri Schostakowitsch als Gast der DDR-Regierung in Gohrisch

Internationale Schostakowitsch Tage in Gohrisch
Internationale Schostakowitsch Tage in Gohrisch

 

Dmitri Dmitrijewitsch Schostakowitsch (1906-1975)
(geboren 1906 in Sankt Petersburg, gestorben 1975 in Moskau) wurde von den avantgardistischen und experimentellen Strömungen der 20er Jahre im damaligen Petrograd, dem heutigen St. Petersburg,  geprägt.

 

 

Auf Einladung der DDR-Regierung konnte der seinerzeit in Russland politisch schwer leidende Komponist Dmitri Schostakowitsch nach langer Zeit eine Auslandsreise im Jahr 1960 antreten. Er durfte sich im damaligen Gästehaus des Ministerrates der DDR im Luftkurort Gohrisch - Sächsische Schweiz -  erholen. Die Ruhe und der gute Service haben sicherlich dazu geführt, dass er hier sein achtes Streichquartett c-Moll op. 110 komponierte. Es gilt heute als eines seiner bedeutendsten Werke und ist nachweislich das einzige Werk, das Schostakowitsch außerhalb der Sowjetunion komponierte.

Anlass für Schostakowitschs ersten Besuch in Gohrisch war ein Aufenthalt in Dresden, wo er gemeinsam mit dem Regisseur Lew Arnstam an dem Film „Fünf Tage – fünf Nächte“ arbeiten sollte. Der Propagandafilm – eine ostdeutsch-sowjetische Koproduktion – behandelte die Evakuierung der Dresdner Kunstschätze durch die Rote Armee nach Moskau im Jahr 1945. Schostakowitsch sollte hierfür die Filmmusik schreiben. Aus diesem Grund zog er sich vom 9. bis zum 15. Juli 1960 in den Kurort Gohrisch zurück. Im dortigen feudalen Gästehaus des Ministerrates der DDR arbeitete er dann allerdings nicht an der Filmmusik, sondern er komponierte hier zwischen dem 12. und 14. Juli 1960 sein sehr persönlich gehaltenes achtes Streichquartett.

Schostakowitsch schrieb das Werk laut Augenzeugenberichten unter der Buche am kleinen nierenförmigen Teich im Innenhof des Gebäudekomplexes. Sein Zimmer befand sich im ersten Stock des Hauptgebäudes, gleich neben dem hinteren Treppenhaus. Im runden Restaurant-Pavillon mit seiner filigranen Empore pflegte Schostakowitsch allmorgendlich auf dem Flügel zu spielen.

Im Mai und Juni 1972 verbrachte Schostakowitsch – im Anschluss an die Ostberliner Erstaufführung seiner fünfzehnten Symphonie – mit seiner jungen Frau Irina erneut einige Wochen im Gohrischer Gästehaus, das in der Zwischenzeit um einen Neubau erweitert worden war.

 

Hier besuchte ihn auch der Dirigent Kurt Sanderling, mit dem er seit Jahrzehnten befreundet war und der in den 1960er Jahren als Chefdirigent die Dresdner Staatskapelle leitete.

 

Später berichtete Schostakowitsch seinem polnischen Komponistenfreund Krzysztof Meyer von diesem zweiten Aufenthalt in der Sächsischen Schweiz, deren Landschaft ihm außerordentlich gefiel.

 

Bereits nach seinem ersten Besuch in Gohrisch hatte er am 19. Juli 1960 an seinen Freund Isaak Glikman geschrieben: „Ich bin von meiner Reise nach Dresden zurückgekehrt. Ich habe mir das Material zu dem Film ‚5 Tage,    5 Nächte’ angesehen, den L. Arnstam dreht. Ich muss sagen, dass mir vieles sehr gefallen hat. Da offenbart sich die sehr gütige Seele Ljoljas. Und darin liegt die Hauptbedeutung dieses Films. Man hatte es mir dort sehr gut eingerichtet, zwecks Schaffung einer schöpferischen Arbeitsatmosphäre.

 

Gewohnt habe ich in Gohrisch, auch Kurort Gohrisch, nahe dem Städtchen Königstein, 40 Kilometer von Dresden entfernt. Die Gegend ist unerhört schön. Übrigens gehört sich das für sie auch so: Die Gegend nennt sich ‚Sächsische Schweiz’. Die schöpferischen Arbeitsbedingungen haben sich gelohnt: Ich habe dort mein 8. Streichquartett komponiert.“

 

Quelle: Verein Schostakowitsch-Tage.de

 

Heute ist dieses ehemalige Gästehaus komplett denkmalgeschützt und wird als HotelPension für Wanderer und ruhesuchende Urlauber betrieben. Inzwischen sind der größte Teil der Zimmer im "neuen Gästehaus" modernisiert und werden, weil sie großzügig ausgebaut sind sehr gerne gebucht.

 

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Von: Ulrich Berger

Grandioses "open Air Wandelkonzert" bei den 4. Internationalen Schostakowitsch Tage in Gohrisch

Internationale Schostakowitsch Tage in Gohrisch
Internationale Schostakowitsch Tage in Gohrisch

Das Gohrischer Festival, das jeden Herbst vor und in der grandiosen Kulisse der Sächsischen Schweizer stattfindet, gehört inzwischen zu den renommierten Musikevents zu Schostakovitschs-Kompositionen. Dank erstklassiger Künstler und der Sächsischen Staatskapelle Dresden und eines originellen Programms stellt dieses ländlich geprägte Festival für Musikliebhaber und Musiker gleichermaßen einen Höhepunkt dar. Statt Abengarderobe waren am Samstagnachmittag Wanderschuhe und ein Hiking-Outfit, das was man sah. Familien mit spielenden und lachenden Kindern, kleine Picknick-Körbe und frohe Laune angesagt.

 

Der Dresdner Chor Vocal Concert unter der Leitung von Peter Kopp lies an drei Orten im Luftkurort Gohrisch unter freien  Himmel fünf Poeme von Schostakowitsch oder im Garten des Parkhotels Albrechtshof Gohrisch Lieder von Benjamin Britten, einem Weggefährten Schostakovitsch, singen. Vom Balkon des Hotel Albrechtshhof unterstützen die Knaben vom Dredsner Kreuzchor den Chor von Vocal Concert und alles herum ist muksmäuschen still. Prächtiges Wetter und diese Ausstrahlung, die das Wandelkonzert entwickelt kam bei den über 250 Besuchern sehr gut an.

 

Viele der Gäste, aber auch ortsansässige und Kurgäste waren von diesem "Festumzug" der besonderen Art begeistert und wünschen sich eine Wiederholung. Klassik pur in Natur, könnte das künftige Motto sein.

 

Ulrich Berger

 

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Von: Ulrich Berger